Folter in der heutigen Zeit

Auch in der gegenwärtigen Zeit, geprägt durch technischen und sozialen Fortschritt, wird die Folter in zahlreichen Staaten insbesondere zur repressiven Strafverfolgung angewandt. In zahlreichen Staaten, über 70 nach Angaben von Amnesty International, werden sie immer noch angewandt.

Begriffsbestimmung

Die Folter existiert seit Menschengedenken. Auch wenn sie sicherlich im Mittelalter, die Methoden der Inquisition als Beispiel, ihre Blüte hatte, bleibt sie bis dato existent. Kurzgefasst wird sie durch die Generalversammlung der UNO definiert als: „Jede Handlung , durch die einer Person von einem Träger staatlicher Gewalt […] vorsätzlich starke körperliche oder geistig-seelische Schmerzen […] zugeführt werden, um von ihr oder einem Dritten eine Aussage oder ein Geständnis zu erzwingen, sie für eine […] Tat zu bestrafen oder sie oder andere Personen einzuschüchtern“. Im Einzelfall kann es allerdings schwierig sein, die Folter von einem gewöhnlichen Straftatbestand abzugrenzen. Allgemein wird sie anhand dreier Elemente bestimmt: physische/räumliche Herrschaftsgewalt, hinzufügen physischer/psychischer Qualen und schließlich Verfolgung eines bestimmten Zwecks.

Folter – heute

Im Folgenden werden einige Staaten aufgezählt, die immer noch systematisch Folter anwenden.

Türkei

Obwohl in der Türkei die Todesstrafe und Folter 2002 abgeschafft worden ist, gab es unter anderem im Jahre 2008 etwa 448 dokumentierte Vorwürfe an Misshandlungen seitens der türkischen Behörden. In den häufigsten Fällen geschahen diese aus politischen Gründen etwa durch Sicherheitskräfte bei Demonstrationen. In Einzelfällen ist auch bekannt, dass ethnische Minderheiten durch die Polizei drangsaliert wurden.

Heutzutage kommt es oft im Zusammenhang mit Polizeigewalt zu Foltervorwürfen

Heutzutage kommt es oft im Zusammenhang mit Polizeigewalt zu Foltervorwürfen

Irak

Folter geduldet durch die irakische Regierung richtet sich in erster Line an Angehörige der politischen Opposition. Relativ aktuell ist hierbei ein Bericht durch den Observer 2005, dass bei Terrorverdächtigen unter anderem Elektroschocks oder Verbrennungen genutzt werden würden.

Elfenbeinküste

Ganz aktuell sind Berichte aus der Elfenbeinküste, das die ivorische Nationalarmee zusammen mit bewaffneten Milizen willkürlich Zivilisten gefangen nimmt und misshandelt. Gerechtfertigt wird dies damit den Besitz und den nationalen Zusammenhalt des Volkes zu gewährleisten. Das foltern dient allerdings ausschließlich der Unterdrückung und damit der Verbreitung von Angst um die eigene politische Stabilität zu stärken.

Deutschland

Doch auch in Deutschland sind Fälle, und das trotz eines verfassungsrechtlich garantierten Folterverbots, bekannt. Am populärsten sicherlich der sogenannte Daschner-Fall, bei Folter angedroht worden ist um den Aufenthaltsort eines Opfers zu erfahren.

Traurige Geschichte – Foltermethodenvon früher und heute

Grundsätzlich lassen sich Foltermethoden in zwei Gruppen einteilen:

  • Bei der Gruppe der weißen Folter sind keine offensichtlichen Spuren an den Gefolterten erkennbar. Dazu gehören Ertränken/Waterboarding, Reizentzug wie Dunkelhaft, Schlaf- und Sauerstoffentzug, Lärmfolter, Toilettenverbot und ähnliches.
  • Die zweite Gruppe hinterlässt hingegen sichtbare physische Schäden: Dazu gehören unter anderem der Zwang zu (längeren) Zwangshaltungen und Aufhängen, Schläge, Verbrennungen und andere Verletzungen, Elektroschocks und Vergewaltigung.

Die Wurzeln der Folter findet man im römischen Recht – jedoch ursprünglich nur gegenüber Sklaven. Im Mittelalter war Folter keine Strafe, sondern Mittel zum Zweck im Strafverfahrensrecht zur Wahrheitsfindung. Angewandt wurden sowohl Methoden mit physischen Auswirkungen als auch Praktiken der weißen Folter. Auf die Inquisition folgten in der frühen Neuzeit die Hexenprozesse, für deren Geständnisse und Verrat von Mitverschwörern Folter zum Einsatz kam.

In Deutschland wurde die Folter zeiweise eingesetzt

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde sie in deutschen Gebieten fast vollständig abgeschafft. Zur Zeit des Nationalsozialismus waren grausame Vernehmungsmethoden erneut zugelassen. Auch in der DDR wurde Folter mit Schlägen, Schlafentzug und Isolation angewandt.

Wo werden Foltermethoden heute noch eingesetzt?

In der Bundesrepublik Deutschland herrscht zwar rechtlich ein absolutes Folterverbot, nach einer Kindsentführung fand jedoch eine Diskussion über eine mögliche “Rettungsfolter” statt.

In Ausnahmesituation wird in einigen Ländern die Folter noch angewandt

In Militärdiktaturen und autoritären Regimen, aber auch in demokratischen Staaten beim “Krieg gegen den Terror” kommen auch heute noch in über hundert Ländern der Welt Foltermethoden zum Einsatz. Verantwortlich dafür sind Polizisten, Geheimdienst- oder Armeeangehörige oder paramilitärische Gruppen.

In chinesischen Gefängnissen zum Beispiel gehört Folter fast schon zur Tagesordnung. Die amerikanische CIA hat im Kampf gegen Terroristen Foltermethoden eingesetzt, die auch vom US-Justizministeriums als gesetzeskonform angesehen wurden. Dazu gehören unter anderem Schläge auf den Kopf, Schlafentzug, unangenehme Fesselpositionen und Waterboarding.

Welche Methoden sind effektiv?

Folterprozesse im Mittelalter konnten sich über Wochen und Monate hinziehen, bis der Folterer das Geständnis, das er hören will, erhalten hat. Zu den Folterinstrumenten im Mittelalter gehörten die Stachelrolle, Streckbank, Daumenschrauben und die Garotte zum Zusammenpressen der Luftröhre. Der Kreativität bei den Foltermethoden waren dabei keine Grenzen gesetzt.

“Moderne Folter” zielt auf die Psyche

Heute hingegen kommen meist psychische Foltermethoden zum Einsatz. Identität, Realitätsbewusstsein, Persönlichkeit und Wertvorstellungen des Gefangenen sollen damit gebrochen werden. Dazu wird auch häufig Schlafentzug eingesetzt. Die Androhung von Gewalt, Isolation und Orientierungslosigkeit sind ebenfalls besonders effektiv.

Foltermethoden werden heute individuell ausgesucht

Die Wahl der Foltermethode ist heute auch stark einzelfallabhängig: Man sucht nach den größten Ängsten des Einzelnen und droht ihm dieses an. Unter Regierung Saddam Husseins im Irak waren Elektroschocks verbreitet. Mit moderner Technik sind diese nicht nur sehr effektiv und einfach zu bedienen, sondern auch kostengünstig. Gewalt, Schläge oder Elektroschocks sind jedoch nicht so effektiv wie psychische Folter. Des Weiteren gehörten Schläge, das Ausstechen der Augen, Verbrennungen und Ziehen der Fingernägel zum Repertoire der Folterer.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *